Südufer des Ohrid-Sees beim Kloster Sveti Naum, Republik Nordmazedonien, 2017 (M. St. Popović, TIB 16)

Tabula Imperii Byzantini

Vergangene Landschaften begreifbar machen …

Im 21. Jahrhundert sind wir Zeugen eines rasanten technischen Fortschritts und einer dynamischen Veränderung unserer Lebenswelten. Die Rückbesinnung der Menschheit auf die Umwelt und das Bewusstsein der Menschen über globale klimatische Veränderungen regen die Frage an, wie unsere Vorfahren im Mittelalter gelebt haben und wie sie ihre Umwelt gestaltet und wahrgenommen haben.

Wie waren damalige Landschaften beschaffen? Welche Siedlungen gab es? Wie sahen diese aus? Wurden sie in schriftlichen Quellen (z. B. Urkunden) dokumentiert, und wenn ja, auf welche Weise? Welche Rolle spielten Flüsse, Seen und Gebirge in der Raumwahrnehmung des Mittelalters? Warum wurden Kirchen, Klöster und Burgen an bestimmten Orten errichtet? Wohin führten Straßen und wie waren sie beschaffen? All dies sind Fragen, mit denen sich die historische Geographie befaßt. Weiterlesen...

Die Ebene von Prilep von Westen, Republik Nordmazedonien, 2017 (M. St. Popović, TIB 16)

Bände der TIB Balkan in Arbeit

Im Rahmen der TIB Balkan arbeiten wir derzeit an drei Bänden. Diese sind TIB 11 („Makedonien, südlicher Teil“), TIB 16 („Makedonien, nördlicher Teil“) und TIB 17 („Nea Epeiros und Praevalis“). Geographisch umfassen diese Bände Teile der südlichen Balkanhalbinsel und die Ostküste der Adria. Pro Band rechnen wir mit einem Umfang von rund 1.200 Seiten. Dadurch dokumentieren wir die jeweiligen historischen Landschaften umfassend und machen sie begreifbar.

Die Kirche des Heiligen Georg in Staro Nagoričane von Südosten, Republik Nordmazedonien, 2007 (M. St. Popović, TIB 16)

Projekte der TIB Balkan

Die TIB Balkan gestaltet die Byzantinistik, Historische Geographie und Digitalen Geisteswissenschaften sowohl als Langzeitprojekt als auch durch ihre Teilprojekte europa- und weltweit aktiv mit. Mit Hilfe der Teilprojekte werden aktuelle Fragen formuliert und erforscht, neue Methoden erprobt und digitale Ressourcen aufgebaut, die einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Diese Teilprojekte werden vom Projektleiter TIB Balkan, Mihailo St. Popović, und seinem jungen Forscherteam kompetitiv als Drittmittelprojekte durch Anträge bei in- und ausländischen Forschungsförderungsgesellschaften eingeworben. Seit 2006 hat M. Popović Fördermittel in der Höhe von 1.908.593 Euro erfolgreich beantragt und mit diesem Betrag zahlreiche vielversprechende WissenschaflterInnen in seinen Projekten angestellt, um gemeinsam zukunftsweisende Themen der Historischen Geographie der Balkanhalbinsel für die Österreichische Akademie der Wissenschaften zu erforschen.

Das Quellgebiet des Flusses Crni Drim beim Kloster Sveti Naum am Ohrid-See, Republik Nordmazedonien, 2008 (M. St. Popović, TIB 16)

Unser Team

Die wissenschaftliche Arbeit in der TIB Balkan basiert auf Teamarbeit. Bei uns sind verschiedene Fachrichtungen vereint, ohne die eine zukunftsweisende Entwicklung unserer Forschung nicht möglich wäre. Diese Fachrichtungen sind: Byzantinistik, Historische Geographie, Geschichte, Südosteuropaforschung, Klassische Philologie, Archäologie, Softwareentwicklung und Datenbankmanagement. Nur im Zusammenspiel all dieser Bereiche lässt sich die etablierte Methodologie des Langzeitprojektes TIB erfolgreich durch das 21. Jahrhundert leiten. Unser Team und sein Leiter Mihailo St. Popović legen großen Wert auf wissenschaftliche Qualifikation und Begeisterung für die TIB Balkan und ihre Teilprojekte, Kollegialität, Diskussion, akademische Entfaltung und Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs, was sich in den Biografien der handelnden Personen widerspiegelt.

Mihailo St. Popović
Mihailo St. Popović
Projektleiter
Dorota Vargová
Dorota Vargová
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Bernhard Koschiček-Krombholz
Bernhard Koschiček-Krombholz
Software Entwicklung und Techniker

Mit dem Archäologen Prof. Dr. Viktor Lilčikj und seiner Lada Niva auf der Fahrt zum Ort Bonče, Republik Nordmazedonien, 2016 (M. St. Popović, TIB 16)

Bereisungen

Ein nicht wegzudenkender Bestandteil unserer Arbeit in der TIB Balkan sind Bereisungen in jene Gebiete der Balkanhalbinsel, über die wir forschen und schreiben. Unsere Vorbereitungen auf solche Bereisungen fußen auf dem Lesen von spätantiken und mittelalterlichen schriftlichen Quellen sowie der Sekundärliteratur, der Erfassung von mittelalterlichen Ortsnamen (Toponymen) und ihrem Abgleich mit Karten des 19. und 20. Jahrhunderts und der Identifizierung von relevanten Kulturdenkmälern vor Ort (Kirchen, Klöstern, Burgen, etc.). Daraus entstehen weiterführende Fragen, die nur bei der Bereisung im Arbeitsgebiet selbst, oft nur im Gespräch mit der lokalen Bevölkerung, beantwortet werden können. Wenn das Manuskript eines TIB Bandes einen gewissen Umfang erreicht hat und eine große Anzahl von Fragen von uns gesammelt wurde, planen wir die Route unserer Bereisung sehr genau und treten unsere Forschungsaufgabe als Zweierteam an. Vital ist dabei unsere Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, Forschungseinrichtungen und FachkollegInnen vor Ort.

Karte 1 : 800.000 aus dem TIB Band 6, 1991 (P. Soustal, TIB 6)

Kartographie

Die erwähnten Bereisungen helfen uns, genaue Lokalisierungen von Denkmälern zu machen und das Fortbestehen alter Ortsnamen (Toponyme) zu überprüfen. Beide Aspekte lassen sich nicht über frei zugängliche Satellitenaufnahmen erfolgreich verwirklichen. Im ersten Fall verhindert oft der dichte Bewuchs vor Ort eine genaue Lokalisierung aus der Luft, im zweiten Fall kann nur das Gespräch mit der lokalen Bevölkerung Klarheit bringen. Wir nehmen für jedes Denkmal einen GPS Punkt, was uns bei der Erstellung und Bearbeitung sowohl unserer TIB Bände als auch unserer TIB Karte im Maßstab 1 : 800.000 mit der jetzigen Siedlungsstruktur als Grundlage sehr hilft. Dadurch können die LeserInnen unserer Bände die Daten zur mittelalterlichen Besiedlung des jeweiligen Gebietes mit dem jetzigen Siedlungsbild abgleichen und schriftliche Inhalte verorten.

Bearbeitungsplan für die Bände der TIB Balkan (Johannes Koder, 1960er Jahre, TIB Archiv)

Bildschirmaufnahme der TIB Balkan Web Applikation, 2022

Tabula Imperii Byzantini Balkan

in der Digitalen Ära

Unsere oben genannten Teilprojekte haben die TIB Balkan mit ihren neuen Methoden und Kapazitäten in die digitale Ära gebracht. Wir schreiben also nicht ausschließlich an TIB Bänden über die Balkanhalbinsel, sondern wir leisten auch einen wertvollen und nachhaltigen Beitrag zu den Digitalen Geisteswissenschaften in der Byzantinistik und Historischen Geographie. Aus diesem Grund haben wir ein Gesamtverzeichnis der Ortsnamen (Toponyme) aus allen TIB Bänden mit Verlinkungen auf die Seite der jeweiligen TIB Bände und ihre pdf Dateien (soweit aufgrund des Copyrights erlaubt) online gestellt. Einen Teil unserer reichen Diabestände haben wir beschrieben und als Scans ebenfalls online zugänglich gemacht. Schließlich haben wir ein Datenbanksystem für die TIB Balkan aufgebaut (eine OpenAtlas Datenbank, in die alle Resultate der Teilprojekte TIB Balkan sowie ausgewählte Aspekte aus den TIB Bänden 16 und 17 laufend einfließen und jederzeit aktuell über ein Web Applikation abgerufen werden können. Diese Web Applikation nennen wir „Maps of Power: Historical Atlas of Places, Borderzones and Migration Dynamics in Byzantium (TIB Balkans)“.

2011 war die TIB Balkan zum Beispiel maßgeblich an einer Konferenz in China beteiligt, 2011 (M. St. Popović)

Öffentlichkeitsarbeit

Das Team der TIB Balkan tritt aktiv an die nationale und internationale Öffentlichkeit, um seine Forschungsarbeit und Resultate umfassend vorzustellen, sie zu erklären und sie für Fragen sowie Diskussionen zu öffnen. Unsere Öffentlichkeitsarbeit findet auf wissenschaftlichen Kongressen und Workshops statt, sie umfasst Lehrveranstaltungen auf österreichischen und internationalen Universitäten, Vorträge in Schulen (Junior Science Club, Wiener Science Lectures), Volkshochschulen, Pfarren und bei Ausstellungen (Schallaburg, NÖ), wird regelmäßig in der „Langen Nacht der Forschung“ in Österreich und bei Kinderuniversitäten publikumsgerecht vorgestellt und ist in den österreichischen Online- und Printmedien vertreten. Eine Auswahl unserer Aktivitäten in diesen Bereichen finden Sie unter folgendem Link. [hier dann bitte einen Link zu einer Subseite Öffentlichkeitsarbeit] In der Verbreitung von Wissen und Resultaten kommen sowohl eine eigene Buchreihe (zusätzlich zu den TIB Bänden) als auch ein digitaler Newsletter zum Tragen. So hat Mihailo St. Popović die Buchreihe „Studies in Historical Geography and Cultural Heritage“ begründet und gibt mit seinem Team vierteljährlich den digitalen „HistGeo Newsletter“ heraus.

TIB Volume 11 ("Macedonia, Southern Part") published

TIB Volume 11 ("Macedonia, Southern Part") published

On the Use and Usefulness of Digital Humanities in the Historical Geography of Byzantium

On the Use and Usefulness of Digital Humanities in the Historical Geography of Byzantium

Presentation at “Global Eurasia – Comparison and Connectivity II: Agency, Networks and Transregional Contexts”

Presentation at “Global Eurasia – Comparison and Connectivity II: Agency, Networks and Transregional Contexts”

TIB at the "Lange Nacht der Forschung" in Vienna

TIB at the "Lange Nacht der Forschung" in Vienna

Presentation at the University of Cologne, Germany CC BY-SA 3.0 byThomas Wolf

Presentation at the University of Cologne, Germany

Presentation at the International Medieval Congress (IMC) in Leeds

Presentation at the International Medieval Congress (IMC) in Leeds

24th International Congress of Byzantine Studies in Venice and Padua CC BY-SA 3.0 byNino Barbieri

24th International Congress of Byzantine Studies in Venice and Padua

Blogpost on the Paper “OpenAtlas und historische Geographie”

Blogpost on the Paper “OpenAtlas und historische Geographie”