Kulturerbe in der Zeit des Ersten Weltkriegs: der Fall der österreichisch-ungarischen Reliefkarte von Montenegro (1916-1918)

Ein im ehemaligen Jugoslawien berühmtes Exemplar einer Reliefkarte der Balkanhalbinsel ist die Karte Montenegros und angrenzender Gebiete, die 1916/17 auf Anordnung der österreichisch-ungarischen Militärverwaltung angefertigt wurde und sich jetzt im Hof der vormaligen königlichen Residenz „Biljarda“ (nunmehr Nationalmuseum Montenegros) in Cetinje in der Republik Montenegro befindet. Das Nationalmuseum Montenegros in Cetinje berichtet über die Reliefkarte auf seiner Homepage im Internet wie folgt: „Nachdem die österreichisch-ungarische Armee den Durchbruch der Front am Lovćen vollzogen und Cetinje 1916 besetzt hatte, wurde im Südflügel der Residenz „Biljarda“, wo sich auch das Hauptquartier der Besatzungstruppen befand, auf zwei Ebenen ein verglastes Objekt mit einer Reliefkarte Montenegros im Maßstab 1:10.000 errichtet. Das Relief, auf dem unter anderem Teile von Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Albanien und Serbien zu sehen sind, besteht aus einer Betonmasse auf einer steinernen Unterlage und wurde auf der Grundlage präziser österreichischer topographischer Karten und Landvermessungen ausgearbeitet, die wiederum mit modernsten Mitteln erstellt worden waren. Um die Höhenlagen auf der Karte zu bestimmen, wurde ein Netz aus dünnen Metallstäben verwendet, um die herum der Zwischenraum manuell befüllt wurde, damit er den landschaftlichen Charakteristika entspricht. Die Oberfläche wurde anschließend detailliert bemalt, sodaß sie alle relevanten Informationen zu dem damaligen Straßennetz jener Zeit, den Wasserflächen, Wäldern und besiedelten Orten enthält. Zur besseren Kartenübersicht wurde über ihrem zentralen Teil eine Brücke errichtet, von der aus jedes einzelne Detail sichtbar war. An der Herstellung der Reliefkarte waren neben österreichisch-ungarischen Militärkartographen auch montenegrinische Kriegsgefangene beteiligt, darunter auch unser berühmter Bildhauer Marko Brežanin. Der alte, schützende Überbau wurde Anfang der 1980er Jahre abgerissen und durch eine verglaste Metallkonstruktion ersetzt, die jetzt noch in Verwendung ist. Die Reliefkarte Montenegros wurde durch Bescheid Nr. 1794/1 vom 14. September 1948 zum Kulturdenkmal (Kulturgut) erklärt. Abgesehen von den zweifellos militärisch-strategischen Zwecken, die sie in den Kriegsjahren hatte, hat dieses einzigartige Objekt im Laufe der Zeit aufgrund seines ästhetischen und historischen Wertes an Bedeutung gewonnen, sodaß es jetzt eine unumgängliche Touristenattraktion bildet.“ (deutsche Übersetzung M. Popović)

In der Beschreibung des Nationalmuseums Montenegros ist die Aussage „An der Herstellung der Reliefkarte waren neben österreichisch-ungarischen Militärkartographen auch montenegrinische Kriegsgefangene beteiligt, darunter auch unser berühmter Bildhauer Marko Brežanin“ von besonderem Interesse. Überraschenderweise wird die Reliefkarte in der österreichischen wissenschaftlichen Literatur nicht erwähnt, sondern findet lediglich als touristischer Anziehungspunkt in modernen österreichischen oder deutschen Reiseführern über Montenegro knappe Erwähnung.

Ziel des Projektes ist es, die Umstände sowie Rahmenbedingungen der Herstellung der Reliefkarte durch die österreichisch-ungarische Armee zu erforschen und nach den österreichisch-ungarischen Künstlern auf die Suche zu gehen, die im Jahre 1916 an der Reliefkarte Montenegros gearbeitet haben. Zu den Beteiligten zählten unter anderem der österreichische Feldwebel und Bildhauer Schugar, der Bildhauer Brežanin und der Maler Grabwinkler.

Gefördert von:

Projektnummer: ME 07/2019

Dauer: 01.01.2019 - 31.12.2021

Projektleitung: Mihailo Popović

ÖAW Projektteam:
  • Veronika Polloczek
  • Bernhard Koschiček-Krombholz
  • Moisés Hernández Cordero
Kooperationspartner und Externes Team:
  • Jelena Nikić, BA
  • University of Donja Gorica (Faculty for Culture and Tourism, Podgorica, Montenegro)
  • Austrian Archaeological Institute (ÖAI) of the Austrian Academy of Sciences (Director Priv.-Doz. MMag. Dr. A. Pülz, w.M.)
  • National Museum of Montenegro (Narodni muzej Crne Gore, Cetinje, Montenegro)
Der Pavillon, in dem sich die Reliefkarte Montenegros jetzt befindet, Cetinje, Republik Montenegro

Der Pavillon, in dem sich die Reliefkarte Montenegros jetzt befindet, Cetinje, Republik Montenegro

Die Bucht von Kotor auf der Reliefkarte Montenegros, Cetinje, Republik Montenegro

Die Bucht von Kotor auf der Reliefkarte Montenegros, Cetinje, Republik Montenegro

Die Reliefkarte Montenegros, im Vordergrund der Skadar See, Cetinje, Republik Montenegro

Die Reliefkarte Montenegros, im Vordergrund der Skadar See, Cetinje, Republik Montenegro

Das 3D Modell der Reliefkarte Montenegros

Das 3D Modell der Reliefkarte Montenegros

Das 3D Modell der Reliefkarte Montenegros als Layer in der Web Applikation „Maps of Power“

Das 3D Modell der Reliefkarte Montenegros als Layer in der Web Applikation „Maps of Power“

Resultate

Publikationen

Author Title Location Date Pages
A. Bracanović, M. Breier, M. Hernández Cordero u. a. On the Crossroads between East and West: Geocommunicating Medieval Sacred Landscapes in Today’s Montenegro – First Project Results. Krems in Druck

Vorträge

Presenter Title Conference Location Date
Mihailo Popović „Zwei Reliefkarten des Balkans – ein ‘ungewöhnlicher’ Blick auf Skopje und auf Montenegro im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts“ DPP Lecture Wien 2018/12/18
Mihailo Popović Vortrag über historische Geographie des Balkanraums und des Projektes vor Studierenden der Universität Donja Gorica in Podgorica Montenegro 2020/03/05
Moisés Hernández Cordero Mapping Cultural Heritage beyond the Eye: The Case of the Crown of the Serbian King Stefan Dečanski International Medieval Congress Leeds, Großbritannien 2022/07/06