Jenseits von Ost und West: die Geokommunikation der „Heiligen Landschaften“ (Sacred Landscapes) von „Duklja“ und „Raška“ durch Raum und Zeit (11.-14. Jahrhundert)

Im aktuellen Diskurs über die Integration des Westbalkans in die EU scheinen die laufenden und geplanten Verhandlungen mit den Republiken Montenegro, Serbien und Albanien für die zeitgenössische Medienberichterstattung von bemerkenswertem Interesse zu sein. Sie umfassen eine Region, die in der Vergangenheit unter dem Namen Illyricum (Illyrikon) eine entscheidende Rolle in den strategischen und administrativen Überlegungen des Byzantinischen Reiches gespielt hat.

Dieses Projekt baut auf einer Zusammenarbeit zwischen den wissenschaftlichen Fächern der Byzantinistik, Mittelalterlichen Geschichte, Historischen Geographie, Kunstgeschichte, Geographie und Geokommunikation (GIScience und Kartografie) sowie digitalen Geisteswissenschaften auf und konzentriert sich auf die zwei historischen Regionen „Duklja“ und „Raška“, die Teil des Illyricum waren. Die Forschungshypothese geht davon aus, dass beide historischen Regionen eine „Heilige Landschaft“ (Sacred Landscape) bildeten, die wir mit den vereinten Mitteln der Historischen Geographie, Kunstgeschichte, Geokommunikation und digitalen Geisteswissenschaften sowohl Wissenschaftler*innen als auch der interessierten Öffentlichkeit entschlüsseln und näherbringen wollen.

Daher befaßt sich das Projekt systematisch mit den folgenden drei Hauptfragen:

(1) Auf welche Art und Weise haben die lokalen Herrscher und die Kirchen von Rom und Konstantinopel vom 4. bis zum 14. Jahrhundert in den historischen Regionen von „Duklja“ und „Raška“ interagiert, und wie spiegelt sich diese Interaktion im Verteilungsmuster von Denkmälern (das heißt von Kirchen und Klöstern) in dieser „Heiligen Landschaft“ wider?

(2) Hatte die wechselnde Religionszugehörigkeit der örtlichen Herrscher Auswirkungen auf die „Heilige Landschaft“ und wo wurden lateinische bzw. byzantinische Kultstätten im Laufe der Zeit verändert oder überlagert?

(2) Hatte die wechselnde Religionszugehörigkeit der örtlichen Herrscher Auswirkungen auf die „Heilige Landschaft“ und wo wurden lateinische bzw. byzantinische Kultstätten im Laufe der Zeit verändert oder überlagert?

Beide historischen Regionen könnten sich als Zone „Jenseits von Ost und West“ erweisen, die bemerkenswerten Transformationsprozessen vom 4. bis zum 14. Jahrhundert ausgesetzt waren, und könnten das große Potential sowohl für Visualisierungen als auch für die Formalisierung durch GIScience Daten anbieten. Die Integration und Darstellung der Forschungsdaten (aus den schriftlichen Quellen, zu Denkmälern und zu Kunstgegenständen) des Projekts wird durch eine bereits vorhandene Datenbank (TIB Balkan OpenAtlas Datenbank) und durch eine Online-Kartenapplikation (Frontend „Maps of Power“) ermöglicht. Das Projekt ist ausschließlich durch einen multidisziplinären Ansatz und die Zusammenarbeit zwischen drei Projektpartnern, zwei aus Österreich (Österreichische Akademie der Wissenschaften; Universität Wien) und einem aus Deutschland (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig), zu verwirklichen.

Gefördert von:

Projektnummer: I 4330-G

Dauer: 01 March 2020 - 28 February 2023

Projektleitung: Mihailo Popović

ÖAW Projektteam:
  • Dorota Vargová
  • Bernhard Koschiček-Krombholz
Kooperationspartner und Externes Team:
  • Mag. Markus Breier
  • Lukas Neugebauer, BSc MSc
  • Florian Korn, BSc MSc
  • Dipl.-Ing. Leonhard Kreil-Brunauer
  • Ass. Prof. Dr. Branka Vranešević
Vogelperspektive der archäologischen Grabung Doclea, A: Basilika A, B: Basilika B und kreuzförmige Kirche, Republik Montenegro, 2021

Vogelperspektive der archäologischen Grabung Doclea, A: Basilika A, B: Basilika B und kreuzförmige Kirche, Republik Montenegro, 2021

Vogelperspektive der archäologischen Grabung Doclea, der westliche Teil der Stadt im Vordergrund, Republik Montenegro, 2021

Vogelperspektive der archäologischen Grabung Doclea, der westliche Teil der Stadt im Vordergrund, Republik Montenegro, 2021

Das Kloster Sveti Nikola Vranjina (in der Bildmitte) am Skadar See, Republik Montenegro, 2021

Das Kloster Sveti Nikola Vranjina (in der Bildmitte) am Skadar See, Republik Montenegro, 2021

Das vormals lateinische (katholische) Kloster Ratac aus dem 12./13. Jh. bei der Stadt Bar, Republik Montenegro, 2021

Das vormals lateinische (katholische) Kloster Ratac aus dem 12./13. Jh. bei der Stadt Bar, Republik Montenegro, 2021

Publikationen:

Author Title Location Date Pages
A. Bracanović, M. Breier, M. Hernández Cordero u. a. On the Crossroads between East and West: Geocommunicating Medieval Sacred Landscapes in Today’s Montenegro – First Project Results. Krems TBA

Vorträge:

Presenter Title Conference Date Location
Mihailo St. Popović Historical Geography, Digital Humanities and Database Systems: an Approach to reconstruct “Sacred Landscapes” – the Case of Medieval Duklja and Raška (today’s Montenegro and Serbia) Global Eurasia, Workshop II: Handlungsspielräume, Netzwerke und transregionale Kontexte 12/05/2022 Wien
Mihailo St. Popović On the Use and Usefulness of Digital Humanities in the Historical Geography of Byzantium Seminar Series: The Balkans Between Empires, Aristotle University of Thessaloniki, Ibn Haldun University Istanbul 01/04/2022 Thessaloniki
Markus Breier Beyond East and West – Geocommunicating Historical Sacred Landscapes International Medieval Congress, University of Leeds 07/07/2021 Leeds
Markus Breier, Karel Kriz, Lukas Neugebauer, Alexander Pucher Beyond East and West – Geocommunicating Historical Sacred Landscapes 30th International Cartographic Conference 2021 18/12/2021 Florenz